EXPO 2027 Belgrad: Wie Design for Disassembly die Zukunft des Holzbaus verändert
Design for Disassembly, Vorfertigung und Bauverbindungen für Gebäude, die auch nach der Veranstaltung weiter genutzt werden sollen
Weltausstellungen gehören zu den komplexesten Bauprojekten überhaupt. Innerhalb weniger Jahre müssen Infrastrukturen entworfen und errichtet werden, die Millionen von Besuchern aus aller Welt aufnehmen. Nicht selten finden Gebäude nach dem Ende einer Expo durch neue Nutzungen ein zweites Leben: Als Hallen konzipierte Räume können als Restaurants, Kulturstätten oder für urbane Aktivitäten genutzt werden.
Im Fall der EXPO 2027 Belgrad geht die Planung sogar noch weiter: Einige Bauwerke erhalten nicht nur neue Verwendungszwecke, sondern können abgebaut und an einen neuen Standort versetzt werden. Möglich wird dies durch die Wahl von Holz als Hauptwerkstoff sowie durch die Verwendung vorgefertigter Platten und Verbindungen, die eine schnelle Montage und eine geordnete, auf Wiederverwendung ausgerichtete Demontage erlauben.
Ein Projekt von internationaler Bedeutung
Die EXPO-Fachausstellung, die 2027 in der serbischen Hauptstadt ausgerichtet wird, umfasst den Neubau zahlreicher Gebäude und Hallen, die Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktivitäten im Rahmen des Ereignisses beherbergen. Neben diesen temporären Bauten umfasst das Projekt auch Bauwerke, die langfristig bestehen bleiben sollen. Dazu zählen 1500 Wohnungen, ein Schwimmbad, ein Golfplatz, ein Flusshafen sowie das nationale Fußballstadion.
Ein Teil dieser Konstruktionen wird aus Holz gefertigt, genauer gesagt aus BSP und Glulam. Diese Materialien verbinden gesteigerte Baugeschwindigkeit und hohes Vorfertigungsniveau mit einem besonders effizienten Lebenszyklusmanagement des Bauwerks. Bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung besteht die Herausforderung nicht nur in der Errichtung der Gebäude, sondern auch in der Koordination einer internationalen Lieferkette. Diese setzt sich aus Planern, Fachunternehmen und Einsatzteams verschiedener Länder zusammen. Das effektive Management von Fachwissen, Lieferungen und Bautätigkeiten wird daher zum entscheidenden Faktor für den Erfolg des gesamten Projekts.
Wenn technischer Support Teil des Projekts wird
Auf Großbaustellen ist die Lieferung von Produkten nur ein Teilbereich des Prozesses. Die Wirksamkeit einer Lösung hängt auch von der Fähigkeit der Lieferanten ab, Planer und ausführende Unternehmen in den verschiedenen Entwicklungsphasen des Bauvorhabens zu unterstützen. Bei den Holzkonstruktionen der EXPO 2027 begleitete Rothoblaas die verschiedenen Beteiligten sowohl in der Planungsphase als auch während der Umsetzung mit technischer Expertise bei der Festlegung der Ausführungsdetails und der fachgerechten Anwendung der Systeme auf der Baustelle. Dank der direkten Präsenz vor Ort erfolgte ein kontinuierlicher Austausch mit den beteiligten Fachleuten. Hinzu kamen gezielte Schulungen der mit der Montage beauftragten Einsatzteams noch vor Baubeginn. Bei Projekten mit knapp bemessenen Zeitplänen und einer Vielzahl von Akteuren aus verschiedenen Ländern trägt eine durchgehende technische Unterstützung maßgeblich dazu bei, operative Herausforderungen zu reduzieren und die Montagephasen zu optimieren.
Design for Disassembly: Planung der zweiten Lebensphase von Gebäuden
Einer der interessantesten Aspekte des Projekts ist das Design for Disassembly (DfD). Nach diesem Ansatz werden Gebäude von Anfang nicht nur im Hinblick auf die Montagephase, sondern auch die Demontagephase konzipiert. Die Entwicklung der Komponenten, Verbindungen und konstruktiven Details sieht vor, dass sich die einzelnen Elemente trennen lassen, ohne ihre Wiederverwendung zu beeinträchtigen. Viele der für die EXPO 2027 geplanten Bauwerke können somit nach Ende der Veranstaltung abgebaut und an einem anderen Ort erneut aufgebaut und wiederverwendet werden. Auf diese Weise endet der Wert des Bauwerks nicht mit dem Abschluss der Veranstaltung, sondern setzt sich durch einen neuen Verwendungszweck langfristig fort.
Wir sind auf dieses Thema in einem früheren Blogbeitrag eingegangen. Zum Artikel: Design for Disassembly: Ein neuer Nachhaltigkeitsansatz im Holzbau
Von der Theorie zur Praxis: Verbindungen für den rückbaubaren Einsatz
Beim Thema Design for Disassembly (DfD) ist die Wahl der Verbindungssysteme von strategischer Bedeutung. Für das Projekt EXPO 2027 lieferte Rothoblaas circa 9.000 Verbinder der Typen ALUMEGA und LOCK T. Diese sind so konzipiert, dass sie eine hohe konstruktive Leistung bieten und zugleich Montage- sowie Demontageprozesse ermöglichen, die dem Konzept der Wiederverwendung entsprechen.
In diesem Zusammenhang erwies sich die Entscheidung für ALUMEGA als ein Schlüsselelement, um die Prinzipien des Design for Disassembly praktisch umzusetzen. Dabei handelt es sich um eine verdeckte Verbindung für Holzelemente, die hohe mechanische Leistungsfähigkeit mit Montagetoleranzen und einfacher Demontage vereint. Im Gegensatz zu dauerhaften Verbindungen ermöglicht ALUMEGA ein kontrolliertes Zusammenfügen und Zerlegen der Komponenten. Dadurch bleibt ihr einwandfreier Zustand erhalten, und die Wiederverwendung in künftigen Lebenszyklen des Gebäudes wird erleichtert. Zudem bleibt die Verbindung vollständig innerhalb der Holzelemente verborgen, wodurch ein einheitliches architektonisches Erscheinungsbild sowie höchste Ausführungsqualität gewährleistet werden.
Neben ALUMEGA kam LOCK T MIDI zum Einsatz, der verdeckte Holz-Holz-Verbinder, der sich besonders für vorgefertigte Anwendungen eignet. Dank der Einhängegeometrie ermöglicht das System eine schnelle Montage sowie den kontrollierten Abbau der Elemente – Eigenschaften, die vollständig den Prinzipien des Design for Disassembly entsprechen. ALUMEGA und LOCK T MIDI sind für eine komplementäre Verwendung ausgelegt: Das erste Element wird bei Hauptträgern mit hohen statischen Anforderungen eingesetzt, während das zweite bei Nebenträgern sowohl die Montage als auch spätere Demontagetätigkeiten erleichtert.
Die (grundlegende) Rolle von Befestigungssystemen
Ergänzt wurde das Verbindungssystem durch die Bauschrauben VGS, die Holzbauschrauben LBS – sowohl in der Standardausführung als auch in der Hartholz-Variante LBSHEVO – sowie die Schrauben für Platten HBS PLATE zur Befestigung der verschiedenen Verbinder und der im Projekt vorgesehenen Stahl-Holz-Verbindungen. Dank ihres Vollgewindes und der hohen mechanischen Leistung trägt die VGS-Schraube wesentlich zur Lastübertragung und Stabilität der statischen Verbindungen bei. Die LBS-Schraube wird für Holzbefestigungen und Metallverbinder eingesetzt und gewährleistet eine präzise Montage sowie dauerhafte Zuverlässigkeit. Die HBS PLATE zeichnet sich durch ihren Kegelunterkopf aus, der speziell auf Metallplatten abgestimmt ist. Sie garantiert hohe Scher- und Zugfestigkeiten in Stahl-Holz-Verbindungen und eignet sich daher besonders für anspruchsvolle statisch tragende Verbindungen. Bei einem Projekt wie EXPO 2027, bei dem Vorfertigung, schnelle Montage und Rückbaubarkeit grundlegende Anforderungen darstellen, trägt auch die Wahl der Befestigungssysteme entscheidend zur Effizienz, Dauerhaftigkeit und Zuverlässigkeit des gesamten Tragwerks bei.
Dauerhaftigkeit und Schutz von Holzkonstruktionen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes
Der Schutz und die Dauerhaftigkeit der Holzkonstruktionen wurden auch durch den Einsatz von circa 1.200 Laufmetern ALU START im Sockelanschluss gewährleistet, um das Holz vor aufsteigender Feuchtigkeit zu schützen. Indem ALU START eine wirksame Barriere bildet, trägt es dazu bei, die Lebensdauer der Holzelemente zu verlängern und deren Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern. Zusätzlich kommen circa 40.000 m² DEFENCE ADHESIVE 200 zum Einsatz, die in das Projekt integriert wurden, um die Dauerhaftigkeit von Platten und Holzelementen während der Handhabung zu erhöhen. Diese leistungsstarke, selbstklebende Abdichtungsbahn wurde speziell für die Abdichtung und den Schutz von Holzbauteilen während des Transports und in der Bauphase entwickelt. Dadurch bleibt die Qualität dauerhaft erhalten, und die Leistungsfähigkeit der Konstruktionen wird über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes gesichert.
Es handelt sich also weniger um einzelne Produkte als vielmehr um Komponenten, die Teil einer Planungsstrategie sind, bei der der Bau effizienter, dauerhafter und potenziell wiederverwendbarer Gebäude im Mittelpunkt steht.
Über die Veranstaltung hinaus
Die EXPO 2027 in Belgrad bietet einen interessanten Anlass, um über die Entwicklung der Baubranche nachzudenken. Über viele Jahre wurde der Erfolg eines Gebäudes hauptsächlich anhand seiner Leistungsfähigkeit während der Nutzungsphase bewertet. Heute wird ein Projekt immer häufiger auch daran gemessen, wie gut es sich an Veränderungen anpassen kann, Verschwendungen reduziert und den Wert der Materialien langfristig bewahrt. Die für die Ausstellung vorgesehenen Holzkonstruktionen sind ein konkretes Beispiel für diese Entwicklung. Dabei geht es nicht nur um die Demontierbarkeit eines Gebäudes, sondern um die Fähigkeit, künftige Transformationen von Anfang an einzuplanen – und zwar durch konstruktive Lösungen, Verbindungen und Details, die eine Wiederverwendung der Elemente überhaupt erst ermöglichen.
Ein Ansatz, der auf bemerkenswerte Weise mit dem Leitthema der EXPO 2027, Play for Humanity, harmoniert. „Play“ – das Spiel – kann dabei als ein Instrument betrachtet werden, um neue Möglichkeiten zu erdenken, das Bestehende innovativ zu interpretieren und die Grenzen traditioneller Konfigurationen zu überwinden. Auf die gebaute Umwelt übertragen bedeutet dieses Prinzip, Gebäude so zu planen, dass sie sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln, an neue Funktionen anpassen und auf künftige Anforderungen reagieren können, die heute noch nicht absehbar sind. In diesem Sinne betrachtet „Design for Disassembly“ ein Gebäude nicht als statisches Objekt, dessen Funktion sich irgendwann erschöpft, sondern als ein Gefüge von Komponenten, die zurückgewonnen, neu zusammengesetzt und wiederverwendet werden können. Eine solche Denkweise definiert den Planungs- und Nutzungsansatz von Bauwerken neu und bietet entscheidende Antworten auf die ökologischen, technologischen und sozialen Herausforderungen der heutigen Baubranche.
Alle Rechte vorbehalten
Technische Details
- Unternehmen:
- DADA Architects, Werner Sobek AG, Građevinska direkcija Srbije, POWERCHINA, Hasslacher Norica Timber, University of Niš, Legas Group Belgrade, MPP Jedinstvo Sevojno-Uzice.
- Land:
- Serbia
- Produkte:
- ALU START ALUMEGA DEFENCE ADHESIVE HBS PLATE LBS LOCK T MIDI VGS